, Andreas Soppera

regionaler Special Olympics Schwimmanlass, Schwimmgruppe Mellingen

Samstag, 14.06. und Sonntag, 15.06.2025 im Hallenbad Balgach / Rheintal SG.

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Wer sich fragte, wo die Ortschaft Balgach lag, konnte beruhigt sein. Ich wusste es bis dahin auch nicht. Die exklusive Lage am Fuss der Rebberge bot einen Ausblick über das Rheintal; vom Bodensee bis zum Säntis. Hoch über Balgach ragten das Schloss Grünenstein und das Schloss Heerbrugg und machten Balgach von weit her erkennbar. Neben der Aussensportanlage Riet befand sich das Hallenbad. Ein besonderes Highlight war die 58 Meter lange Wasserrutsche mit Lichteffekten, die für Action sorgte. Dazu später.

Relativ kurzfristig mussten wir eine Absage einer unseren Schwimmerinnen verkraften. Sollte für uns heissen, dass wir für die Frauenstaffel vor Ort nach einer Ersatzschwimmerin ausschauhalten müssten. Gemeldet hatten wir ursprünglich je eine komplette Männer- und eine Frauenstaffel.

Auf den zwei Abholrouten sammelten wir mit unseren beiden PWs die SportlerInnen ein und fuhren direkt zum Hallenbad. Da Sandro und Selina separat fuhren, gab es unverhofft Platz für eine am Vorabend angekündigte Zuschauerin. Die Betonung lag auf Zuschauerin! Für etwas anderes war Karin auch nicht zugestiegen. Obschon wir auf der Fahrt dann erfuhren, dass Karin ihr Badekleid zufällig dabeihatte. Da stellte sich mir die Frage, ob Karin nicht unsere Damen-Staffel komplettieren konnte. Nach einer aufmunternden Diskussion und verspeisten Knabber-Nussstangen war ihre Zusagen dann perfekt.

Mit genügend Zeitspielraum vor Ort angekommen, hatten wir umgehend unsere Nachmeldung von Karin für die Staffel sowie, zum «Aufwärmen», die 25m Freistil der Leitung des Schwimmanlasses kundgetan.

Bis zur Eröffnungsfeier um 13:00 Uhr wurden ein paar Längen eingeschwommen und die Rutschbahn mit Zeitmessung in Beschlag genommen. Erst erschien die Tagesbestzeit, dann etwas später holte sich Sandro auch die Wochenbestzeit auf der Rutschrennstrecke. Etwas später, mit einem breiten Lächeln im Gesicht, pünktlich und geschlossen, standen unsere SchwimmerInnen zum Einmarsch, mit allen anderen der insgesamt 180 TeilnehmerInnen, vor der Schwimmhalle bereit.

Man erinnere sich an eine olympische Eröffnungszeremonie von vergangenen Sommerspielen am TV. Genau das erwartete uns SportlerInnen und Begleiter. Sandro hielt während des Umzugs, stolz unser Clubbanner in die Höhe. Um das Sportschwimmbecken verteilt, gab es tatsächlich auch den Fackellauf und das Entzünden der olympischen Flamme. Das Maskottchen im farbigen Kostüm, ähnlich einer Disneyfigur, verfolgte mit uns allen die Eröffnungsrede, vorgetragen von Philipp Döhler, zum olympischen Gedanken.

Mit dem Aufruf «auf die Plätze» und dem ersten Start-Pfiff wurden die Samstags-Vorläufe gestartet.
Für den Wasser-Start der 25m Freistil bei den Frauen, begab sich Karin wenig hoffnungsvoll in Position. Keiner schonte sich auf den geschwommenen Metern. Die Konzentration lag auf der eigenen Bahn, ohne einen Blick nach rechts oder links. Erst nach dem Zielanschlag wanderten die Blicke zu den Leitern. Diese waren am Fotografieren oder am Filmen und hielten die Daumen in die Höhe.

Die meisten der Schwimmteams übernachteten in der angrenzenden Turnhalle in einem Massenschlag. Wir vom BSCWL fuhren mit unseren beiden PWs für die Übernachtung nach Hause. Vielleicht ein psychologischer Vorteil, wenn in den eigenen Betten geschlafen werden konnte.

Damit wir am Sonntag den Startbeginn um 09:30 Uhr nicht verpassen würden, mussten die Abholtouren bereits um 06:00 Uhr angesetzt werden. Alle SchwimmerInnen waren ausgeschlafen und pünktlich, sodass es nach der zweistündigen Fahrt noch für ein Frühstück vor Ort ausreichte. Etwas einschwimmen im Nebenschwimmbecken und schon wurden die Finalläufe gestartet. Aus den geschwommenen Zeiten der Vorläufe wurden entsprechende Finalzusammenstellungen durch das Organisationskomitee festgelegt. Diese Vorgehensweise liessen faire und spannende Finalrennen erwarten. Teilweise um weniger als eine Handbreite entschieden die präzisen und korrekten Anschläge im Ziel, über Sieg oder Niederlage. Direkt nach jedem Finallauf folgten die Siegerehrungen. Nach dem Zielanschlag beim 25m Freistil-Finale von Karin, konnten wir von aussen nicht klar feststellen wer gewonnen hatte. Um so spannender der anschliessende Gang zu den Podesten ausserhalb der Schwimmhalle. Aufgerufen wurden die Schwimmerinnen in der Reihenfolge der hinteren Ränge und somit den ersten Platz als den Letzten. Unvergesslich die emotionale Achterbahn bei Karin (hierzu gibt es ein wunderschönes Video).  Als bei Rang Vier immer noch nicht ihr Name aus dem Lautsprecher erklang, liessen ihre Bewegungen von den Händen und dem unruhigen Auf- und Abgehen immer mehr Anspannung erkennen. Dann der grossartige Moment, nachdem auch beim zweiten Rang der Name Karin nicht zu vernehmen war, wurden die Beine von Karin dann doch etwas gar wie Gummi. Tränen kullerten über ihre Wangen und die Mundwinkel wechselten von einem Lächeln bis zur sichtbaren Fassungslosigkeit. Auf dem Podest zuoberst angekommen, folgte das Einatmen des Triumpfes und die Freude über einen bestandenen harten Wettkampf.

Es gab selbstverständlich auch die anderen Szenen. Momente des Zweifelns an die eigene Leistungsfähigkeit. Die Trauer nach verpassten Podestplätzen. Eindrücklich zu beobachten, wie das ganze Schwimmteam der Traurigkeit Gesellschaft geleistet hatte. Zusammengestanden, einander umarmt und liebevolle Worte der Zuversicht gesprochen. Ohne ein Dazutun der Leiter, wurden so die Freundschaftsbänder unter den SchwimmerInnen gepflegt und auf ehrliche Art gelebt.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen wurden die Langstreckenwettkämpfe über 50m und 100m, sowie als krönenden Abschluss die Stafetten geschwommen. Unglücklicherweise wurden nicht alle unsere SchwimmerInnen in ihren Rennen von den 12 Disqualifikationsgründen verschont. Ein NBH (nicht mit beiden Händen anschlagen) wurde im Rennen 50m Brust bei Philipp beanstandet.

Die Medaillenausbeute konnte sich sehen lassen: 4x Gold, 2x Silber und 3x Bronze. Insgesamt wurden unseren SchwimmerInnen vom BSCWL ganze 12 Medaillen (Staffel 4 Medaillen) umgehängt! Davon wurden deren 7 bei den Herren und 5 bei den Damen herausgeschwommen. Mit den Finalzeiten von 18.69, Sandro 25m Freistil und 20.10, Lara 25m Freistil, durften wir zudem zufrieden in eine vielversprechende und erfolgreiche Zukunft blicken.

Wer hätte das gedacht, wie aus einer Lücke bei der Frauen-Stafel, eine «Zuschauerin» eingesprungen ist und mit einer grossartigen Team-Leistung der olympische Spirit auch auf der Heimfahrt seinen Nachklang fand.

 Es war ein gelungener Anlass